Geschichte der Stadt Torgelow

Torgelow - Stadt an der Uecker – ein historischer Streifzug

Inmitten der Ueckermünder Heide, von dichtem Mischwald umgeben und nur eine halbe Autostunde vom Stettiner Haff entfernt, findet man das kleine Städtchen Torgelow. Mit knapp 10.000 Einwohnern strahlt es, am östlichsten Rand des Landkreises Vorpommern-Greifswald gelegen, auch nach mehr als 70-jährigem Stadt-Status noch immer die Gemütlichkeit des Dörflichen aus. Rings um das weithin sichtbare architektonische Symbol der Stadt, die 1884 erbaute Christuskirche, verzweigen sich eine Vielzahl enger Straßen mit zwei- bis viergeschossiger Bebauung. In sporadischem Wechsel entdeckt man hübsch sanierte Altbauten und neu gestaltete Wohn- und Geschäftshäuser, vor allem um den neuen Rathausbereich am Marktplatz. Überregionalen Bekanntheitsgrad erreichte Torgelow in der Vergangenheit vorrangig durch seine über 250-jährige Gießereigeschichte sowie als Militärstandort. Die Ortschaft Torgelow wurde im Jahre 1281 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zu dieser Zeit zu Pommern. Um 1350 taucht erstmals Ritter Zacharias Hase von Kufstein in den Geschichtsbüchern auf, der am Schlossberg bei Eggesin seine Burg „Neu Torgelow” erbaute. Über 100 Jahre hat sich das Geschlecht der Hase`s im Volksmund als Raubrittergeschlecht erhalten, von dem noch heute mitunter märchenhaft-interessante Erzählungen und Sagen berichten. Bei der Ruine an der Ueckerbrücke im Zentrum Torgelows handelt es sich allerdings um den Amtssitz „Alt-Torgelow“, den der pommerntreue Bernd von Muckerwitz 1454 erwarb. Mit der zunehmenden Vormachtstellung des schlossgesessenen Adels der „Muckerwitze“ war der Niedergang des Geschlechtes der „Hase von Kufstein“ besiegelt. Die „Hasenburg“ wurde 1465 völlig zerstört und das Hasengeschlecht des Landes verwiesen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde Torgelow völlig zerstört und war menschenleer. Eine Wiederbesiedlung erfolgte erst nach 1660 unter schwedischem Besitz mit Schweden, Finnen und Livländern.
Weitere einhundert Jahre später (1753) begann für Torgelow, mittlerweile in preußischem Besitz, mit der Kabinettsorder Friedrich II. zum Bau eines „Königlich-Preußischen Eisenhüttenwerkes” die eigentliche Geschichte des Industriedorfes. In den Ueckerniederungen wurde der Rohstoff Raseneisenerz entdeckt, der als Grundlage für die Waffenproduktion des Preußischen Staates von Interesse war. Der Bau des Eisenhüttenwerkes wurde 1756 abgeschlossen. Durch die Entstehung dieses Industriestandortes wuchs die Einwohnerzahl Torgelows innerhalb der nächsten 100 Jahre von 250 auf über 5.000. 1862 wurde das Hüttenwerk an den Berliner Gelbgießer Theodor Vollgold verkauft. In den Folgejahren entstanden weitere Eisengießereien. In diesem Zusammenhang entwickelte sich in Torgelow auch die Infrastruktur schwungartig. So wurde 1884 u. a. die Eisenbahnstrecke von Jatznick nach Torgelow in Betrieb genommen. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Torgelow erfolgte 1887. Zur Jahrhundertwende gab es in Torgelow 14 Eisengießereien und 4 Sägewerke. Der Ort zählte nun 5.800 Einwohner. 1913 erfolgte erstmals die Versorgung mit elektrischem Strom und 1928 wurde die Pestalozzi-Knabenschule als damals modernster Schulbau Pommerns feierlich eingeweiht. 1934 wurden in Torgelow ein Rüstungsbetrieb und eine Munitionsanstalt gebaut, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges bestanden. 1945 wird Torgelow in einem Befehl des russischen Stadtkommandanten Leutnant Ageew erstmals im Zusammenhang mit dem Begriff „Stadt“ erwähnt. Die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern erklärt daraufhin am 22.10.1946, rückwirkend zum 01.06.1945, die Landgemeinde Torgelow offiziell zur Stadt. Aber noch einmal auf die Erfolgsgeschichte des „glühenden Eisens“ in Torgelow zurückkommend, so war diese von je her eine recht wechselhafte und zu keiner Zeit beständige. Schon immer war sie in hohem Maße von Deutscher Politik abhängig, vermochte Menschen zu Wohlstand zu bringen, um sie nur wenige Jahre später in tiefste Armut zu stürzen. Ein Landstrich wie Vorpommern, der strukturell keine wirtschaftliche Vielfalt zu entwickeln vermochte, war im Grunde mit Eisenindustrie „überfordert“. Somit war auch Torgelow in besonders hohem Maße immer wieder von Krisen betroffen. Zu weit waren die Transportwege zu den Auftraggebern, zu stark die Konkurrenz in den Ballungsgebieten und zu wenig flexibel die möglichen Produktionsprofile. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges gab es ein ständiges und von immer kürzeren Intervallen geprägtes Auf und Ab, das dann nach 1945 durch die DDR-Planwirtschaft abgelöst wurde, von der Torgelow zunächst spürbar profitierte. Der Volkseigene Betrieb „Gießerei- und Maschinenbau Torgelow“ beschäftigte Mitte der 80er Jahre fast 2.000 Mitarbeiter und auch andere Firmen, wie z. B. das örtliche Polstermöbelwerk oder der Medizinmöbelhersteller Torgelow, hielten zahlreiche Arbeitskräfte in Lohn und Brot.

Die Einwohnerzahl Torgelows wuchs auf unglaubliche 12.500. Es entstanden ein städtisches Schwimmbad, eine Bibliothek, ein Heimatmuseum und ein großes Sportstadion. In dieser Zeit existierten fünf  Schulen in der Stadt, darunter auch die durch den Landkreis betriebene Erweiterte Oberschule, das spätere Kopernikus-Gymnasium. Es gab eine Vielzahl an Kindergärten, zwei Schülerfreizeiteinrichtungen, ein Kino und eine Kaufmännische Berufsschule u. v. m. Die Zeit der politischen Wende erlebte Torgelow zunächst mit einer Vielzahl von wirtschaftlichen und damit einhergehend sozialen Problemen. Die Privatisierung und Schließung zahlreicher Betriebe, die Umstrukturierung der NVA zur Bundeswehr und an erster Stelle auch der Einbruch der Gießerei als bis dato größter Arbeitgeber führten zu sehr hoher Arbeitslosigkeit und in der Endkonsequenz auch in den Folgejahren wiederum zu einer drastischen Reduzierung der Einwohnerzahl. Torgelow musste sich neu aufstellen und die Industrie, das Gewerbe und die öffentliche Verwaltung erlebten einen gigantischen Strukturwandel, dem sich auch die Menschen wiederum anpassen mussten. Aber auch heute ist das Gießereiwesen, dem Torgelow im Grunde seine Entwicklung verdankt, der wichtigste Industriezweig in der Stadt. Seit 2004/2005 entstand mit der Eisengießerei Torgelow GmbH eine der modernsten und leistungsfähigsten Eisengießereien Europas. Herzstück sind zwei Gießereihallen, in denen Gussstücke mit einem Einzelgewicht von bis zu 120 t hergestellt werden können.  Das Kerngeschäft des Unternehmens besteht in der Herstellung von Baugruppen für Windkraftanlagen, wie Rotornaben und Maschinenträger. Aber auch Gussteile für den Anlagen- und Maschinenbau sowie für Dieselmotoren für den Schiffbau zählen zum Produktionsprofil. Neben dem dominierenden Industriezweig Gießerei gibt es in Torgelow noch eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen und Einzelpersonen, die teilweise über Jahrzehnte  das Gesicht der Stadt charakteristisch prägen. Allen voran die ME-LE-Gruppe, ein überaus flexibles, leistungsstarkes und auch international agierendes Dienstleistungsunternehmen, das gleich mehrere Tochterfirmen (Energietechnik, Wärmeservice, Biogas und Immobilien) unter seinem Dach vereint. Die Torgelower Polstermöbel GmbH, eine Tochterfirma der Polipol-Unternehmensgruppe und seit mehr als 20 Jahren in Torgelow ansässig, fokussiert ihre Produktion auf die Marktsegmente Relax- und Fernsehsessel. Zu den jüngsten in Torgelow ansässigen Unternehmen gehören im Gewerbegebiet „Büdnerland“ die Firmen „B+K Torgelow GmbH & Co. KG“, ein Hersteller von nahtlosen Stahlschweißfittings für Gas-, Öl- und Druckleitungen sowie das Dienstleistungsunternehmen im Bereich Kundenservice für Energieversorgungsunternehmen „e.dialog GmbH“, eine Tochter der E.DIS AG. Weitere Beispiele sind die Modell- und Werkzeugbau GmbH,  die Eberspächer Heizung Vertriebs-GmbH & Co. KG, die Torgelower Metallwaren GmbH, Metallbau Wittenberg, Pontech Marina Systeme GmbH oder die T-TEX Textile Dienste & Haushaltstechnik GmbH. Seit 2016 wird Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern offiziell als bedeutsamer Standort für die Ansiedlung klassischer Industrie- und Gewerbeunternehmen ausgewiesen. Nach der politischen Wende 1989 hat sich die Gießereiarbeiterstadt Torgelow auch städtebaulich und touristisch zum Positiven entwickelt. Es entstand ein völlig neues Stadtzentrum, das sich heute entlang der verspielten Windungen der Uecker in hellen Pastelltönen präsentiert. Dabei wirken die von sattem Grün umspielten Uferwege mit den hölzernen Brücken so rund in ihrem Ensemble, als müsste es schon immer so gewesen sein. Bis zu Beginn der 90er Jahre hatte nämlich der Flusslauf im Torgelower Stadtkern überhaupt keine Bedeutung. Von meterhohem Wildwuchs umwucherte Industrieruinen, verwahrloste oder unbebaute Grundstücke und eine beidseitig hoch verkrautete Uferböschung gaben den Blick auf den Fluss kaum frei. Für Wasserwanderer endete die Stadtbesichtigung an der ehemaligen Badeanstalt, dem Lokal „Anglerheim“ oder spätestens am Vereinsbootshaus der „Paddlergilde“. Alles andere musste zu Fuß besichtigt werden, weil der Fluss den Blick auf den Ort nicht frei gab. Aber mit der Gestaltung der Ueckerinsel, der Installation eines Wasserwanderrastplatzes und Karavanparkplatzes, der Renaturierung des Ueckeraltarmes, der Installation einer Fischtreppe und nicht zuletzt der Einbindung des Soldatenheimes, heute OASE „Haus an der Schleuse“, am Schleusenwehr hat die Stadt Torgelow sich ihren Fluss, die Uecker, auch touristisch zunutze gemacht. Die zahlreichen Spaziergänger auf den befestigten Gehwegen beidseitig entlang der Uecker und die vielen Paddel- und Ruderboote sind mittlerweile längst zum gewohnten Bild geworden.

Mit dem selbstbewusst klingenden Slogan  „Frischer Wind aus Torgelow - im Herzen Vorpommerns“ bewirbt die kleine Stadt an der Uecker seit Beginn des neuen Jahrtausends erstmals auch seine Angebote für Urlauber und andere Gäste. Glücklicherweise war die Nachwendezeit im kommunalpolitischen Bereich nicht, wie in vielen anderen Städten der ehemaligen DDR, auf verbales Parteiengezänk orientiert. Von Beginn an richteten die Verantwortungsträger und ihre Verwaltung die Arbeit auf ein recht konstruktives Miteinander aus, das voll und ganz auf die Stadtentwicklung entsprechend der neuen Möglichkeiten abzielte. Neben den mannigfaltigen Bemühungen zur Wirtschaftsförderung, Gewerbeansiedlung und Verbesserung der Infrastruktur verständigten sich die Stadtvertreter auch auf eine besonnene, der Ortsgröße angepasste und angenehm moderne Innenstadtumgestaltung. Dabei fungierte das Torgelower Rathaus als Ausgangspunkt einer Bebauung, die zu einem erkennbaren und erlebbaren Stadtzentrum mit Marktplatz, Kaufhaus, Kultursaal, vielfältiger Gastronomie, Arztpraxen, Banken, Apotheken und vor allem zu einer wohl durchdachten Grüngestaltung führte. Und auch das Flussufer wurde endlich in die Planung einbezogen und begehbar gemacht. Seit Mitte der 90er Jahre hat sich Torgelow im Zentrumsbereich derart verändert, dass ehemalige Einwohner, die über einen längeren Zeitraum nicht im Ort waren, Mühe haben, sich zurechtzufinden. Dafür sprechen auch der umgestaltete Alte Markt, die neu entstandene Ueckerpassage  oder die Bebauung entlang der Bahnhofstraße mit Einzelhandelsgeschäften und Wohnungen. Großen Wert legte man in Torgelow bei der Stadtsanierung auch auf die Berücksichtigung historischer Aspekte. Sehr schön gelungen ist dies u. a. bei der Straßengestaltung im Bereich Ueckerstraße / Friedenstraße / Küstergang oder in der Königstraße, wo sogar das ursprüngliche Kopfsteinpflaster wieder Verwendung fand. Der Alte Markt und die Freifläche vor der Gaststätte „Zur Alten Post“ in der Breiten Straße zeigen „Stadtgeschichte zum Nachlesen und Anfassen“. Auf Bronzetafeln wurden die Eckdaten der Ortschronik mit den markantesten Jahreszahlen dargestellt und Arbeitsgeräte aus dem Gießereihandwerk erinnern an die Industrietradition im Ort.

Der Slogan der Torgelower „Wohnen, wo andere Urlaub machen“ beschreibt ein weiteres Marketing-Projekt der Stadt und bezieht sich nicht nur auf die schöne Natur in der näheren Umgebung und das viele Grün in der Stadt. Die in den letzten Jahren neu entstandenen zahlreichen Wohnungen in unmittelbarer Zentrumsnähe machen das Wohnen nicht nur schön, sondern auch praktisch. Supermärkte im Stadtkern und nicht, wie anderenorts, am Stadtrand und eine ständig spürbar verbesserte Wohnumfeldgestaltung bieten auch älteren Menschen unverzichtbaren Komfort. Nicht zuletzt hat sich Torgelow innerhalb der letzten 20 Jahre auch auf kulturellem Gebiet einen weit über die Stadtgrenzen hinaus klangvollen Namen erarbeitet. Sehr gute räumliche Voraussetzungen, wie der Ueckersaal, die „OASE - Haus an der Schleuse“ oder die Stadthalle, ermöglichen eine Vielzahl und Vielfalt von Veranstaltungen mit inzwischen tausenden Besuchern. Ob Popkonzerte, Tanzpartys, Diskothek, Kabarett & Comedy, Operette, Klassik, Volksmusik und Schlager, Ausstellungen und Messen, Lesungen oder Kinderveranstaltungen - Torgelow hat sich durch moderne Kommunikation und ein kontinuierliches Werbekonzept ein großes Stammpublikum erarbeitet und hohe Beliebtheit erlangt.












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